Inventur
Die Inventur ist in jedem Betrieb wenigstens einmal jĂ€hrlich zum Ende des GeschĂ€ftsjahres (Ausnahme: verlegte und permanente Inventur) durchzufĂŒhren und wird als körperliche Bestandsaufnahme bezeichnet. Der Gesetzgeber verlangt fĂŒr eine ordentliche DurchfĂŒhrung, dass alle Artikel erfasst und aufgenommen werden, die sich im Lager befinden oder zum Betrieb gehören. Hierzu zĂ€hlen nicht nur die Einkaufsartikel am Lager, sondern u.a. alle fertig- und Halbfertigprodukte aus der Produktion, alle Betriebsstoffe, BĂŒroeinrichtungsgegenstĂ€nde, Werkzeuge, Fahrzeugpark, Ersatzteile, Rohstoffe, Produktionsmaschinen und Fertigungsanlagen, etc...
Diese Aufnahme dient der Festlegung des Betriebskapitals und ist steuerrechtlich in der Bilanz auszuweisen, welche wiederum gerade bei Aktiengesellschaften eine wichtige Grundlage zur Darstellung des GeschÀftsergebnis ist.
BeschrĂ€nken wir uns hier auf die DurchfĂŒhrung der Inventur am Lager. Der Kontrollcharakter der Inventur am Lager ist eindeutig: Vergleich der tatsĂ€chlichen Menge am Lager mit der errechneten Sollmenge aus der Lagerbuchhaltung oder dem Warenwirtschaftssystem.
Sie gibt unter dem Strich Auskunft ĂŒber die Fehlmengen (Ăber- oder Unterschreitung des errechneten Bestandes) und damit ĂŒber Schwund und Fehlbuchungen des Jahres. Der Endbestand dieser Inventur ist auĂerdem Ausgangspunkt fĂŒr die neue Fortschreibung der BestĂ€nde im nĂ€chsten GeschĂ€ftsabschnitt.
Die Planung und DurchfĂŒhrung einer Inventur sollte im Vorfeld so erfolgen, dass alle gesetzlichen Bestimmungen (z.B. VollstĂ€ndigkeit) mit den betriebspolitischen Vorgaben (Wirtschaftlichkeit, keine nennenswerte Auswirkung auf den Produktionsablauf, schnelle DurchfĂŒhrung) in Einklang gebracht werden. Diese Vorbereitungsphase vollzieht sich in mehreren Schritten:
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Auflistung und Aufnahme aller Artikel in die Inventurliste
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Kontrolle der Artikelnummer und des Lagerortes zur Vermeidung von DoppelzĂ€hlungen oder NichtzĂ€hlung - auĂerdem dient die Lagerortkontrolle der Auffindung der Waren.
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Festlegung der ZĂ€hlbereiche. Hierbei sollten die Bereiche so geordnet sein, dass zusammenhĂ€ngende Artikelgruppen in diesen Bereichen zusammengefasst werden, die Menge und Vielzahl der Artikel fĂŒr den ZĂ€hlenden ĂŒberschaubar bleibt, und sich die ZĂ€hler nicht beim ZĂ€hlen ins Gehege kommen.
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Ermittlung der geeigneten ZĂ€hlmethode pro Artikel. (Die Ermittlung des Gewichtes bei FlĂŒssigkeiten in FĂ€ssern ist der Volumenerfassung vorzuziehen, Schrauben werden pro StĂŒck und nicht pro Kilo gerechnet...)
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Erstellung der Inventurliste und Aufteilung in durchnumerierte oder kodierte ZĂ€hllisten (ZĂ€hlbereich) mit Angabe der Artikelnummer, der Artikelbezeichnung, des Lagerortes (der Orte?), der Mengeneinheit (ZĂ€hleinheit)- Angabe der Listennummer und des Listenvorbereiters, ein Unterschriftsfeld fĂŒr den ZĂ€hler und eine Unterschriftsfeld fĂŒr die Gegenkontrolle sind zwingende Bestandteile dieser Listen.
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Beschaffung der geeigneten Hilfsmittel (Stift, Schreibunterlage, ZĂ€hlhilfsmittel, Zollstock, MetermaĂ, Waage, Leitern und Stehhilfen fĂŒr unwegsame Gebiete...)
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Planerische Einteilung der zur VerfĂŒgung stehenden Leute auf die ZĂ€hlbereiche
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Bereitstellung der Listen und Hilfsmittel zum Inventurtag
Die DurchfĂŒhrung der Inventur erfolgt in einem engen Zeitrahmen, eine sorgfĂ€ltige Vorbereitung und Planung vermindert das Risiko, diese Inventur aufgrund von Fehlern neu durchfĂŒhren zu mĂŒssen (es gibt da diesen netten WirtschaftsprĂŒfer, der das ganze unabhĂ€ngig kontrolliert)und erhöht die Genauigkeit der ermittelten Werte, was dem Anspruch einer körperlichen Bestandsaufnahme am nĂ€chsten kommt. Weiterhin ist wichtig, dass alle eingeteilten Personen entsprechend eingewiesen werden, um unnötig viele Fragen zur Vorgehensweise, zum Arbeitsablauf und TĂ€tigkeitsfeld zu vermeiden. Die Wichtigkeit dieser Aktion fĂŒr den Betrieb muĂ den Mitarbeitern, die von den LagergeschĂ€ften in den meisten FĂ€llen nichts oder nur wenig verstehen, deutlich gemacht werden. Eine entsprechende Motivation, gewissenhaft und konzentriert an die Sache dranzugehen, ist ein unbedingtes MuĂ. Die Einteilung der Leute fĂŒr die unangenehmeren Arbeitsgebiete sollte stets in einem VerhĂ€ltnis zum gewĂŒnschten Erfolg stehen - eine Möglichkeit ist, stets andere Personen fĂŒr diese Teile einzusetzen, eine andere Möglichkeit, Gruppen zu bilden, die Abteilung- oder sozialkonform sind (Private Gruppen und Arbeitsgruppen lassen sich besser handeln, als zusammengewĂŒrfelte oder durch persönliche Antipathien belastete Gruppen). Weiterhin kann sich im Laufe der Jahre eine gewisse Spezialisierung einzelner Mitarbeiter durchaus positiv auf das Ergebnis auswirken.
Bei automatischen HochregallĂ€gern ist seitens des Gesetzgebers keine VollstĂ€ndige Inventur notwendeig, vielmehr wird hier ein gewisser Prozentsatz (3-5%) des gesamten Warenbestandes per Zufallsprinzip ĂŒber ein Programm ausgewĂ€hlt und zu ZĂ€hlung heraus gefahren
All diese Faktoren sind bei der Vorbereitung zu beachten, mĂŒssen in den Entscheidungsprozess einflieĂen.
Der eigentliche Ablauf der Inventur am Inventurtag sieht hingegen stets gleich aus. Sind alle Vorbereitungen im Vorfeld abgeschlossen und kontrolliert worden, so muss wĂ€hrend der laufenden Inventur weniger am Ablauf korrigiert werden. Weiterhin ist es ratsam, einige Mitarbeiter aus dem Lagerbereich freizuhalten, um als Springer und Kontrolleur die Arbeiten zu ĂŒberwachen, AusfĂ€lle und Fehler zu kompensieren und als helfende Begleiter fungieren zu können. Das ist insgesamt ĂŒberall dort ratsam, wo eine groĂe Anzahl von Inventurmitarbeitern nicht aus dem Lagerbereich stammt oder der reibungslose Ablauf von der GeschĂ€ftsleitung zwingend verlangt wird - und wo der eigene Mitarbeiterstamm nicht ausreicht, intern die Inventur durchzufĂŒhren.
Die Schritte am (an den) Inventurtag(en):
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Die Sperrung des Buchhaltungsystems fĂŒr Zu- und AbgĂ€nge (erfolgen solche Bestandsbewegungen dennoch wĂ€hrend der laufenden Inventur, so sind diese gesondert aufzufĂŒhren und spĂ€ter in die BestandsfĂŒhrung einzubringen). Das soll den Momentcharakter einer Inventur sichern.
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Die Einteilung der Mitarbeiter und die Verteilung der Inventurhilfsmittel und Listen und
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die Einweisung der Arbeitsgruppen und/oder Einzelpersonen in das Aufgabengebiet.
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Das Zubringen der Mitarbeiter zu ihren ArbeitsplĂ€tzen, bestenfalls durch autorisierte Mitarbeiter, idealerweise durch eine gute AufschlĂŒsselung der Lagerorte selbsterklĂ€rend
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Die eigentliche ZĂ€hlung der Artikel durch die beteiligten Personen und Eintrag der ZĂ€hlergebnisse in die ZĂ€hlliste
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Gegenkontrolle der ZĂ€hlergebnisse nach Abgabe der Liste durch eine andere Person
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Die Eingabe der erfassten und gegebenenfalls korrigierten Mengen in das System
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Auswertung der Ergebnisse, Erfassung der Differenzen und Neuausgabe der Listen bei groĂen Abweichungen
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Gegenkontrolle und Neueingabe
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Abschluss der ZĂ€hlliste und Quittierung in der Inventurliste.
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Ausdruck und/oder Speicherung der Inventurliste. Abschluss der Inventur.
Die Inventur kann dann als abgeschlossen angesehen werden, wenn alle Positionen (Artikel) erfasst, gezÀhlt und in der EDV eingegeben wurden. Sollte irgendein Artikel nicht gezÀhlt worden sein, so kann die Liste nicht abgeschlossen werden. Ist eine Liste nicht abgeschlossen, so kann die Inventur nicht abgeschlossen werden.
In einigen FĂ€llen kann es vorkommen, dass ZĂ€hlfehler zu groĂen Abweichungen fĂŒhrt. Im eigenen Interesse und bei besonders empfindlichen GĂŒtern (im Sinne der ABC-Analyse) ist es ratsam, Stich-proben durchzufĂŒhren. Diese Stichproben werden in jedem Fall auch von einem WirtschaftsprĂŒfer durchgefĂŒhrt, der bei zu vielen Abweichungen die Wiederholung der Inventur anordnen kann.
Da eine Inventur mit hohen (Personal-)Kosten fĂŒr das Unternehmen verknĂŒpft ist, darf genau das nicht passieren.
Die Auswertung der Inventurergebnisse ist wiederum Sache der GeschĂ€ftsfĂŒhrung und Finanzbuchhaltung - dient sie doch zugleich als Bilanzgrundlage und als Fixpunkt des GeschĂ€ftsergebnisses. Die Daten werden auĂerdem als Grundlage fĂŒr die Bewertung der Bestandsbewegungen und BestandsbuchfĂŒhrung genommen, eine Analyse und eventuelle Reorganisation der Bewertungen aus der ABC-Analyse und der Struktur kann daraus erfolgen. Eine Neuorientierung bezĂŒglich der Produktpalette oder der Mengen der eingelagerten GĂŒter durch die GeschĂ€ftsleitung wird im Anschluss an eine Inventur hĂ€ufig vorzufinden sein.
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